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Anwendungsstudie Warmluftdecken in der Kleintiermedizin
Priv.-Doz. Dr. Eva Eberspächer-Schweda, AnästhesieSkills, Februar 2022

Kleintiere haben im Laufe ihres Lebens mehrere Eingriffe unter Allgemeinanästhesie (z. B. Kastration, Zahnsanierung, Biopsie). In der Regel werden die Patienten während der Anästhesie hypothermisch, da die innere Körpertemperatur nicht mehr durch das Tier selbst im Normbereich gehalten werden kann. Die Hypothermie führt zu weit-reichenden pathophysiologischen Konsequenzen wie Wundheilungsstörungen, Immunsuppression, verlängerter Aufwachphase und thermalem Diskomfort. Perioperative Hypothermie kann durch aktive Wärmezufuhr weitgehend vermieden werden.

Bedeutung von aktivem Wärmemanagement in der Veterinärmedizin
Nicht nur in der perioperativen Phase leistet aktives Wärmemanagement einen entscheidenden Beitrag für das Wohlbefinden des Patienten und die Unterstützung seiner Körperfunktionen. Auch Notfallpatienten, die sich im Schock befinden oder schwer kranke Intensivpatienten sind auf ein externes Wärmemanagement mit aktiver Wärmezufuhr angewiesen. Ein weniger effizientes Wärmemanagement wie das Unterlegen einer Wärmematte oder passives Wärmemanagement wie das Zudecken des Patienten mit einer Decke reicht häufig nicht aus, um diese Patienten normotherm zu halten.

Aktuell verwendete Techniken und deren Vor- und Nachteile

  • In der Tiermedizin stehen mehrere Geräte für das aktive Wärmen des Körpers zur Verfügung:
    Infusionswärmepumpen und Geräte zum Anwärmen von Atemgasen während der Anästhesie sind recht ineffiziente Methoden und machen allenfalls unterstützend Sinn.
  • Elektrische und mit Warmwasser gefüllte Matten wärmen in erster Linie die Haut an der relativ kleinen Kontaktfläche, wenn der Patient darauf liegt. Durch die Minderperfusion der Haut kann es zum Hitzestau und thermischen Schaden kommen. Der Körperkern wird trotzdem oft hypothermisch, da die Wärme nicht    effizient aus der Haut abtransportiert werden kann.
  • Warmluftgebläse mit passenden Warmluftmatten wärmen sehr effizient durch einen zweifachen Effekt: einerseits durch die gleichmäßige Verteilung von Warmluft um den Körper und andererseits durch einen isolierenden Effekt, der die Wärmeabgabe des Körpers in die Umgebung vermindert. Diese Vorteile können dann optimal genutzt werden, wenn die Anwendung von unten und von oben erfolgt.

Egal welche Methode zum Wärmen verwendet wird, es ist stets empfohlen, zusätzlich eine Lagerungshilfe zu verwenden, um Schäden an Nerven, Muskulatur und anderen Geweben bei Patienten insbesondere bei langen Liegezeiten zu verhindern.

Bedeutung der Lagerungshilfen
Als Lagerungshilfe bietet sich ein der Kontur des Patienten anpassendes Gewirk an, welches mit einem strapazierfähigen abwaschbaren Kunststoff bezogen ist. Ein qualitativ hochwertiges Gewirk unterstützt eine physiologische Lagerung optimal.
Idealerweise ist es bei der Verwendung einer Warmluftmatte möglich, die Lagerungshilfe bei Bedarf in diese zu integrieren. Auf diese Weise schützt man zum einen den Patienten vor Lagerungsschäden und vermindert zum anderen durch eine zusätzliche isolierende Schicht den Wärmeverlust in die Tischoberfläche.

Anwendungsgebiete in der Kleintiermedizin
Eine Warmluftmatte mit integrierbarer Lagerungshilfe wird durch seine vielseitige Anwendbarkeit in mehreren Bereichen in der Kleintiermedizin zum Einsatz kommen. Sie ist besonders geeignet für Wärme- und Lagerungsmanagement im Rahmen operativer Eingriffe im Bereich der Zähne oder Augen, bei der Kastration, während diverser orthopädischer Eingriffe und auch bei hochinvasiven Operationen wie einer Thorakotomie. Sie kann während bildgebender Diagnostik oder in der Aufwachphase verwendet werden. Das Einsatzgebiet der Warmluftmatte ist wohl überwiegend in der perioperativen Phase zu sehen, ist aber nicht beschränkt darauf, sondern kann auch bei der initialen Notfallversorgung und der intensivmedizinischen Betreuung unterstützend wirken.

Worauf sollte man bei Anschaffung und Verwendung achten („Fazit“)
⇒ Hocheffizienter Wärmtransfer durch große Kontaktfläche
⇒ Minimieren des Wärmeverlusts durch isolierende Wirkung
⇒ Variable Anschlussmöglichkeiten für das Warmluftgerät
⇒ Optionale Einschubmöglichkeit für Lagerungshilfe
⇒ Effizient in der Anwendung bei den gängigsten Indikationen
⇒ Ideal geeignet für Patienten mit Eingriffen im Kopf- und Halsbereich
⇒ Unkomplizierte und praktische Anwendung
⇒ Wiederverwendbar, langlebig und platzsparend waschbar
⇒ Separate Anwendung und Reinigung der Lagerungshilfe
⇒ Ressourcen- und umweltschonend

Fotocredit: Dr.Eva Eberspächer-Schweda